.

 

 

rot

home beispiel kurse timeline sommerkurs lesen

kind gifwhite image2gifwhite moshe

FELDENKRAIS - PADAGOGIK MIT KINDERN
WENN DIE KNOCHEN WALZER TANZEN"
... und überhaupt, Feldenkrais ist wie eine Renovation." Dies sagt Samuel, 4. Klasse, nachdem wir in einer Einzelstunde an der Beweglichkeit des Brustkorbes gearbeitet haben und er entdeckt, dass der Atem neuen Raum gewonnen hat, wir eine Türe zu einem neuen Zimmer geöffnet haben. lm Unterricht ,,Funktionale Integration“ gebe ich dem Nervensystem mit leichten, angenehmen Berührungen Bewegungsvorschlage, Impulse, zu feinerer Differenzierung, neuen Zusammenhangen, Verbindungen, Oeffnungen, zu einer Reorganisation. Der von Samuel ausgedrückte Vergleich mit einer Renovation, vielleicht eines Ausbaus, eines Umbaus oder sogar Neubaus ist sehr anschaulich. Kinder kommen für diese Arbeit mit den unterschiedlichsten Wünschen zu mir: Da ist ein 6-jahriger Schlafwandler, ein Erstklässler, der in der Schule kaum hört, ein Bub, der fast täglich in der Pause umfallt, Kinder mit Atembeschwerden, auffälligem Sozialverhalten, ungenügender Feinmotorik, Konzentrationsschwachen, Kopfschmerzen, lmmunschwächen, Sehstörungen und vieles mehr. In den ersten Lektionen gilt es heraus zu nden, wie ein Mensch seine Bewegungen organisiert und welche Zusammenhänge zu den Symptomen bestehen. lm weiteren Verlauf ist es möglich, die Bewegungsorganisation zu verbessern. Zum Teil geschieht dies bei Kindern (auch bei Erwachsenen) auf unbewusster Ebene, zum Teil ist es wertvoll oder sogar nötig, Gewohnheiten bewusst zu machen, z.B. das Atmen durch den Mund oder die Nase, um im Alltag die erworbenen Fähigkeiten integrieren zu können. Bei Kindern ist es sinnvoll, wenn zumindest ein Elternteil ebenfalls in die Arbeit einsteigt, gehen wir doch davon aus, dass Bewegungs- und Verhaltensgewohnheiten eher nicht Vererbung sind sondern vielmehr auf unbewussten Wegen von den Eltern den Kindern vermittelt werden. Moshé Feldenkrais pflegte ab und zu zu sagen: ,,das hat sich heute zum ersten Mal seit 200 Jahren bewegt“, womit er darauf hinwies, dass Gewohnheiten (Schwachen, Einschränkungen, Hemmungen, Hindernisse) über Generationen weitergegeben werden können. Gavino, 4. Klasse, wünscht sich Rollerblades. lch habe ihn gebeten, sich selbst mit Rollerblades zu zeichnen. Wie ich ihn frage, welche Gelenke er zum Fahren benützen werde, antwortet er: ,,keine Ahnung“. Gavino durfte eine Serie von Lektionen letzten Herbst und Winter besuchen. Er zeigt grosses lnteresse an Tieren, vorallem Vögeln und Fischen. Viele Stunden in seiner Freizeit verbringt er zu Hause mit dem Studieren von Büchem, derweil seine Kollegen sich am freien Nachmittag in Gesellschaft bei Spiel und Sport vergnügen. Seine Erlebnisse und Wünsche bleiben stets im Verborgenen. Erst nachdem seine Mutter mit Feldenkrais-Unterricht beginnt, tragen seine Stunden wirklich Früchte. Er beginnt, sich mitzuteilen, ist freundlich zu seiner Schwester, kann Geschenke geben, geht erstmals alleine in einen Laden und driückt seine Wünsche aus. Endlich vernehmen die Eltern, dass er jetzt auch gerne mit Freunden Rollerblades fahren möchte. Seine Eltern erfüllen ihm den Wunsch zu Ostern. Gleichzeitig kommen wir überein, dass Gavino eine weitere Serie von Lektionen benötigt, um die Fähigkeiten zu erwerben, seinen Traum Realität werden zu lassen. Unser Selbstbild entspricht der Art und den Möglichkeiten wie wir uns bewegen. Wenn wir Bewegung verändern, verändern wir auch unser Selbstbild. Das Selbstvertrauen wird gestärkt durch die Entwicklung von Fähigkeiten wie Orientierungsvermögen, Sinneswahrnehmung, innere Stabilität, Aufmerksamkeit und Ausdruckskraft. Moshé Feldenkrais (1904 - 1984), Physiker, Neurophysiologe, Verhaltensforscher und Judomeister hat eine bestimmte Art von Kommunikation entwickelt, die Menschen die Fähigkeit vermittelt zu lernen. lm Einzelunterricht ,,Funktionale Integration" erhalt das Nervensystem die lnformationen über direkte Berührung, im Gruppenunterricht ,,Bewusstheit durch Bewegung“ durch verbale lnstruktionen. lch habe im letzten Jahr über 10 Wochen eine Gruppe von 11 Kindrnern 4- 8 jahrig, in "Bewusstheit durch Bewegung" unterrichtet. Nachstehend eine Kurzfassung der1_. Lektion: 1. Sitzen: Rechte Hand fasst rechten Fuss. Zieht das Bein hoch und achtet darauf, wie das Bein lang wird. Probiert die Bewegung so, dass das Bein nicht müde wird. Bringt das Bein mal weit nach oben, mal wenig, mal mehr zur Seite, mehr zur Mitte hin. Die Ausführung und Interpretation der verbalen Anweisungen (ohne Vorzeigen der Bewegung) entwickelt Aufmerksamkeit, Körperbewusstsein, Orientierung, Koordination, Wahrnehmung von Bewegungsqualität. 2. Liegen auf dem Rücken: Rechte Hand am linken Fuss. Lasst das Bein lang werden. Ist die Bewegung einfacher im Sitzen oder im Liegen? Die Unterscheidung von Leichtigkeit und Anstrengung ermöglicht, einen Sinn für eigenes Wohlbefinden zu finden. Die Fragen regen zum eigenen Denken an und/oder laden ein, Erfahrungen auszutauschen. › 3. Pause: Wie liege ich auf dem Boden? Welche Körperteile machen einen Abdruck auf dem Boden? Wo verspüre ich Atembewegung? Atme ich durch den Mund oder durch die Nase? Die Kinder werden aufmerksam sich selbst gegenüber, sind mehr und mehr in der Lage, eigene Verhaltensmuster zu beeinflussen (z.B. durch die Nase zu atmen). 4. Sitzen: Linke Hand fasst rechten Fuss. Knie und Ellbogen gleichzeitig beugen und strecken. Die Kreuzung der Mittelachse führt zu mehr Bewegungsdynamik, das Gleichgewicht wird geschult, die Kopf/Rumpf-Koordination verbessert. 5. Liegen: Gleiche Verbindung der Extremitäten, gleiche Bewegung. Beginnt gleichzeitig zu rollen. Probiert, bis ihr heraus findet, dass ihr so zum Sitzen und sogar zum Stehen kommen könnt. Neugierde, Erfindungsfreude, Lust am Ausprobieren und allmähliches Gelingen ist Ausdruck von Lebensfreude und Vitalität oder nach Moshé Feldenkrais BEWEGUNG IST LEBEN. Ich habe die Kinder jeweils nach der Stunde gefragt: „Wie fühlt lhr Euch?“ Die immer wiederkehrende und meistgenannte Antwort war: „Gross, stark und leicht.“ ln den Feldenkrais-Lektionen werden u.a. die Antischwerkraftmuskeln aktiviert, was ein Gefühl der Leichtigkeit hervorruft, das Skelett wird in seinem naturgemässen, selbstverständlichen Zusammenhang bewegt, die eigene Stärke wird dadurch erlebt und eine bessere Aufrichtung erreicht, „ich erlebe mich grossl“. Barbara, 12 Jahre, die schon längere Zeit in den Einzelunterricht kommt und eine sehr feine Körperwahrnehmung entwickelt hat, wird nach und nach die Fähigkeit haben, aus eigenem Wissen, leicht, stark und gross zu sein. Vor kurzer Zeit drückte sie sich so aus: „lch war an der Fasnacht, da war ein Eismann. An ihm habe ich meinen Rücken gerieben und bemerkt, dass ich unter den Rippen einen kleinen Schmerz verspüre (Lektionsbeginn). Jetzt fühle ich mich wie eine Geburtstagstorte (während der Stunde) und (am Ende der Arbeit) eigentlich ist eine Feldenkrais-Stunde immer interessant, z.B. kann ich meinen Knochen zusehen und zuhören, wie sie Walzer tanzen.“ Schweiz, Jugendmusikschulzeitung 1998 TERESA LENZIN, AARAU


moshefimoshekind kind

www.feldenkrais-studio.ch, Teresa Weisser, Troxlerweg 15, CH 5000 Aarau